Der Begriff Bauernschrank oder Bauernmöbel, wie dessen Möbelstil verallgemeinert genannt wird, mutet zunächst etwas irreführend an. Schließlich sind Bauernschränke nicht etwa Schränke, die von Bauern hergestellt wurden.
Genauso wenig wurden diese speziell für Bauern oder deren Bedürfnisse angefertigt: Jeder dem einfachen Volk zugehöriger Haushalt war vor einiger Zeit mit Bauernmöbeln möbliert, weshalb korrekterweise eigentlich der Begriff Volkstümlicher Schrank verwendet werden müsste.
Geschichte
Zu erklären, worum genau es sich bei einem Bauernschrank handelt, ist daher relativ schwierig, denn die Geschichte des wahrscheinlich beliebtesten Kleiderschrankes in deutschen Landen verläuft alles andere als geradlinig:
Während bis spät in das 16. Jahrhundert Schränke jeglicher Art in einfachen Behausungen nichts zu suchen hatten, da man sein Hab und Gut in Kisten verstaute, begann kurz darauf eine mit Stadtflucht einhergehende Aufwertung des Handwerkerstandes, der dazu führte, dass Handwerker nun auch für einfache Leute in größeren Mengen Möbel produzierten – Die Anfänge volkstümlicher Handwerkskunst
Regionale Unterschiede
Unterschiede zwischen Bauernschränken zu finden ist nicht schwer: Alle Bauernschränke sind unterschiedlich. Jeder Handwerker hatte seinen eigenen Stil, und jeder Schrank war ein Unikat, angepasst an die individuellen Bedürfnisse der Besitzer. Das einzige, was alle Bauernschränke gemeinsam hatten, waren die Höhe von etwas unter 2 Metern. Bauernschränke waren überdies stets sehr eng mit der Lebensweise ihrer Besitzer verknüpft. Während im protestantischen Norden, sowie im skandinavischen Raum die Schränke eher schlicht gehalten oder mit einfachen Schnitzereien verziert wurden, wie man es auch heute noch von einigen IKEA-Schränken kennt, waren diese Schränke im streng katholischen Süden meist prunkvoll verziert oder aufwendig bemalt, wobei die so genannte Bauernmalerei zu Einsatz kam. Die auf diese Weise abgebildeten Motive waren hier in häufig religiöser Natur, wie auf dem links abgebildeten Schrank.
Das kurzzeitige Verschwinden und die spektakuläre Rückkehr
Das vorübergehende Ende des Bauernschrankes kam sehr schnell Anfang des 20. Jahrhunderts zusammen mit der Industrialisierung und somit der Möglichkeit zur Massenherstellung von Möbeln.
Ende der 1980er-Jahre erlebte der Bauernschrank jedoch im Zuge des aufkommenden Landhausstils eine Art Wiedergeburt. Heute hat sich der Landhausstil als einer der beliebtesten Möbelstile etabliert. Vor allem aufgrund seiner Einfachheit und seiner gemütlichen Ausstrahlung sind Landhausmöbel, und dazu gehören natürlich auch Bauernschränke, in vielen Wohnungen stets gern gesehen.
Mehr über Bauernschränke können Sie auf deren Website http://www.bauern-schrank.de erfahren.
Bild: Chr. Späth | Wikipedia